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Hirschlanden, den 19.08.2008 |
| Also:
Ich bin gut in Deutschland angekommen und freue mich sehr wieder hier zu sein.
Allerdings gibt es vieles, an das ich mich erst noch gewöhnen muss... - es sprechen ja tatsächlich alle deutsch hier, man kann sogar auf deutsch einkaufen ;-) - das war erst einmal ein komisches Gefühl...
Ich hoffe euch bald zu sehen und grüße euch ganz herzlich!!! - diesmal wieder aus Deutschland
Euer Julian | |
| 22 |
Buenos Aires, den 25.07.2008 |
| Hola amigos,
Ab heute sind es nur noch 2 sehr kurze Wochen, die mir auf argentinischer Erde verbleiben, sowie noch 2 lange Wochen, bis ich wieder nach Deutschland zurückkommen werde – ich zähle die Tage. Und nicht nur ich, auch die Jugendlichen in meinem Projekt zählen die Tage. Sie sind traurig, dass auch ich keine Ausnahme in diesem regelmässigen Jahres-Rhythmus der Freiwilligen machen werde, die (fast) alle nach einem Jahr wieder in ihre alte Heimat zurückkehren. Gleichzeitig sind sie natürlich aber auch gespannt, wer und wie denn der/die neue Freiwillige sein wird.
Viele Bekannte, denen ich erzähle, dass ich schon bald nach Deutschland fliegen werde fragen mich, wie lange ich denn dort meine Familie besuchen und wann ich wieder zurückkommen werde – und es fällt mir nicht gerade leicht jedes Mal wieder aufs neue sagen zu müssen, dass man einfach nicht weiss ob - oder zumindest wann man wieder zurückkommen wird... denn ich würde schon sehr gerne irgendwann mal wieder nach Argentienen gehen.
Von manchen musste ich mich schon verabschieden, andere werde ich noch versuchen so oft wie es geht zu sehen.
Heute habe ich meinen letzten Tango-kurs, da die nächsten zwei Wochen hier dann Winterferien sein werden und so geht langsam alles hier auf den Abschied zu. So wie es hier vieles gibt, das ich in Deutschland mit Sicherheit vermissen werde, gibt es auch vieles in Deutschland, auf das ich mich schon sehr freue.
Für den Sonntag habe ich auf ein Asado (zum Grillen) eingeladen, wo ich nochmal das geniale argentinische Fleisch geniessen werde. Und dann gehts so langsam schon ans packen...
Les mando muchos Saludos desde la Argentina!
Hasta luego…
Julian
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| 21 |
Buenos Aires, den 27.06.2008 |
| Es wird kalt…
Die vielen bunten Blätter, die überall für schöne Herbststimmung gesorgt hatten, als ich von der Reise zurückkam, sind bis auf wenige Ausnahmen alle gefallen und auch die Zeit, dass ich durch raschelndes Laub ins Projekt lief ist vorbei, denn das wurde an allen möglichen Strassenecken schon verbrannt. Wir hatten noch keinen Frost, allerdings bin ich teilweise schon ganz schön am frieren. Zum einen war ich eben an die Sommertemperaturen in Buenos Aires gewohnt und zum anderen macht die hohe Luftfeuchtigkeit alles noch ungemütlicher. Auch merkt man wieder, wie schlecht die Häuser isoliert und wie undicht die Dächer sind. Selbst beim Busfahren tropft es öfter mal durch das schlecht schliessende Dachfenster. Trotzdem gibt es auch um diese Zeit sehr viele sehr schöne Tage hier und ich geniesse die letzten Wochen meines Jahres in Argentinien.
Auch heute ist es sehr schön und die Sonne, die immer noch kräftig scheint, wärmt gut auf, obwohl seit knapp einer Woche ja schon der Winter begonnen hat.
Seit meiner Reise gibt es wieder so einiges zu Berichten. Mein Arbeitsfeld hat sich etwas verändert. Im Projekt hatte ich leider nicht mehr viel bei der Nachhilfe zu tun, da neue Mitarbeiter eingestellt wurden. Für mich kam daher ganz passend eine Anfrage der CEABA (die deutsch-evangelische Kirche von Buenos Aires zu der auch mein Projekt gehört), ob ich mir nicht vorstellen könnte, im Büro mitzuarbeiten. Ich kümmere mich jetzt also zwei Tage in der Woche darum, von den verschiedenen Projekten (eben auch von Arcángel Gabriel) Informationen zu sammeln, zu vervollständigen und diese dann auch ins Deutsche zu übersetzen. Damit beginne ich eine Arbeit, die in Zukunft wahrscheinlich zu einer vollen Freiwilligenstelle ausgebaut werden wird. Dazu kommt dann noch die (Mit-)Verwaltung der Internetseite www.ceaba.org.ar, die bis jetzt unvollständig und nur auf Spanisch verfügbar ist.
In Arcángel Gabriel läuft's jetzt im Moment sehr gut. Wir haben mit einem Radio-Workshop angefangen, der mir sehr sinnvoll erscheint. Die Jugendlichen bekommen hier die Möglichkeit über ihre persönlichen Anliegen zu reden, ausserdem zeigen wir ihnen, dass man durchaus an die Öffentlichkeit gehen kann, mit Problemen die man hat. Bisher waren wir noch nicht auf Sendung, dafür muss noch einiges vorbereitet werden und die Jugendlichen müssen sich erst einmal daran gewöhnen, in ein Mikrofon zu sprechen – aber es scheint ihnen Spass zu machen und es sieht in meinen Augen echt vielversprechend aus. Ein Mitarbeiter von uns arbeitet selber in einem Regionalradio mit und kommt somit auch an die nötige Ausstattung. Eine Antenne haben wir schon installiert und das Ziel ist, dass wir ca. 1 Stunde pro Woche auf Sendung gehen werden können. Bin mal gespannt ob es funktioniert. Ob das so legal ist, weiss ich nicht, soviel ich weiss haben wir keine Lizenz, aber ich will mich da nicht in das tiefe Gewirr der argentinischen Gesetze einmischen. Die Mitarbeiter von hier wissen schon, wie damit umzugehen ist ;-)
Ausserdem wurde vor kurzem Werkzeug gespendet, womit ich jetzt wesentlich besser Reparaturen und Ausbesserungen in unseren Räumlichkeiten vornehmen kann: Eine Bank hier, ein Regal dort, ein Rolladen, eine Lampe...etc. – Irgendetwas ist immer zu tun.
Letzte Woche, vom 18. bis zum 21. Juni hatten wir dann tatsächlich schon unser Abschluss-Seminar – wieder im ISEDET, in dem wir auch unser Einführungsseminar hatten. Franziska, die erste Freiwillige aus unserem Jahrgang ist sogar schon nach Deutschland zurückgekehrt. Für mich war dieses Seminar sehr wertvoll. Wir hatten Zeit über das vergangene Jahr nachzudenken, Gedanken auszutauschen, viel zu diskutieren und auch über den Abschied, der sicherlich nicht leicht werden wird, und die danach folgende Zeit zu sprechen, da viele von uns doch schon relativ fest verwurzelt sind in der argentinischen Kultur.
Ein nicht zu vergessender wichtiger Bestandteil des Seminars waren natürlich auch die Fussballspiele der Europameisterschaft, die wir so weit es möglich war live mitverfolgten. Auch im Studentenheim wurde das deutsche Team voll von meinen argentinischen, chilenischen und kolumbianischen Mitbewohnern unterstützt.
Leider, leider werde ich das Finale aber nicht mitverfolgen können, da ich mich nach einer sehr schweren Entscheidung dazu durchgerungen habe, lieber einer Gedenkfeier im Fussballstadion von Riverplate beizuwohnen. Anlässlich der 30-Jahrfeier der Fussballweltmeisterschafft 1978 in Argentinien soll hier der 30.000 verschwundenen Verhafteten unter der damaligen Militärdiktatur gedacht werden. In einem 2*25 Minuten-Spiel der Selección Argentina von heute gegen das Nationalteam von damals soll symbolisch für Menschenrechte und die Heranziehung der Verantwortlichen, von denen immer noch viele frei herumlaufen, gekämpft werden.
Anschliessend werden verschiedene argentinische Bands spielen, die in ihren Liedern diese Ereignisse behandeln.
Dass ich per SMS über Tore des Finales der EM benachrichtigt werde, dafür habe ich schon gesorgt und drücke unserem deutschen Team die Daumen!!!
Saludos desde el invierno argentino
Julian
P.S.: Ich selber werde voraussichtlich noch bis zu meinem Ablflug am 8. August in Arcángel Gabriel weiterarbeiten. Da meine Familie im Urlaub an der Nordsee sein wird, wenn ich zurückkomme, werde auch ich noch eine Woche dort zusammen mit meiner Familie verbringen, bevor ich wieder in das gute alte Hirschlanden zurückkomme. So habe ich eine Woche lang Zeit für meine Geschwister und meine Eltern und darauf freue ich mich schon sehr! | |
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Buenos Aires, den 28.05.2008 |
| Auf der Suche nach Meerschweinchen…
Tja, es wurde wirklich mal höchste Zeit für den schon lange austehenden Reisebericht. Wir drei (Benedikt, Alexander und ich) sind weit gekommen und mitlerweile alle wieder im Rhythmus des Alltags…
Benedikt ist schon seit ueber 2 Wochen zurück in Deutschland und es ist wieder ein kleines bisschen ruhiger geworden hier, sodas ich jetzt auch mal wieder zum schreiben kam.
Wir hatten eine super Reise, haben wahnsinnig viel sehen und erleben dürfen und sind sogar wieder gut daheim angekommen.
Angefangen hatte die Reise am Abend des 06. April – wieder einmal am Omnibusterminal von Buenos Aires.
[Hier moechte ich noch kurz eine Vorgeschichte einfügen - es war nämlich gar nicht so selbstverständlich, dass das überhaupt klappen würde mit der Reise:
Als ich in der Osterwoche mit meinen Eltern am total ueberfüllten Omnibusterminal auf unseren Bus wartete, wurde mir nämlich mein komplett gepackter Rucksack geklaut – mit meinen Kleidern, dem Ticket für den Heimweg, meiner Zahnbürste (!) und eben auch meinem Reisepass. Diese kleine Geschichte hatte ich euch im letzten Bericht verschwiegen – jedenfalls hätte ich ohne diesen Pass die Reise im April streichen können. Nach einer langen Nacht in dem kleinen Kommissariat des Terminals, an dem noch viele Andere warteten, denen das gleiche wie mir passiert war, hatte ich endlich die Anzeige, mit der ich zur deutschen Botschaft gehen konnte, um einen neuen Reisepass zu beantragen. Zum Glück hat man ja seine “Connections”, so dass das ganz flott ging und ich drei Tage vor dem Start der Reise noch einen vorläufigen Reisepass ausgehändigt bekam, der mir zumindest noch ausreichen wird, solange ich in Argentinien bin. Es konnte also losgehn.]
Unser erstes Ziel war die Provinz Mendoza. Nach ca. 14. Stunden Fahrt in einem der super bequemen argentinischen Busse kamen wir am nächsten Morgen in der gleichnamigen Hauptstadt an, hinter der sich die mächtigen Anden erheben. Bekannt ist Mendoza vor allem für seinen Wein, der in ganz Argentinien bekannt und beliebt ist. Somit war es natuerlich auch Pflicht, sich Weingüter anzuschauen und sich über die Produktion zu infomieren - inklusive Weinprobe. Ausserdem besuchten wir noch einen Hof, auf dem Olivenöl hergestellt wird – Olivenhaine gibt e shier nämlich auch eine ganze Menge. Am nächsten Tag konnten wir uns dann bei super Wetter beim Rafting im Río Mendoza austoben, umringt von hohen mit Dorngestüpp und Kakteen bewachsenen Bergen. Wir befanden uns hier übrigens auch ganz in der Nähe des Aconcagua, der als knapper 7000er, der höchste Berg ganz Amerikas ist – gesehen haben wir ihn aber leider nicht…
Wir standen dann vor der Frage, wie wir weiterreisen. Sollten wir die Anden hier überqueren, nach Santiago de Chile fahren und dann auf der chilenischen Seite der Anden den Weg nach Norden einschlagen, oder sollten wir lieber auf der argentinischen Seite bleiben, etwas Zeit sparen fuer später und gleich nach Norden gehn.
Wir entschieden uns dafuer auf der besseren ;-) Seite zu bleiben. Somit war unser nächstes Ziel das Valle de la Luna (Mondtal) in der Provinz San Juan.
Wir liessen also das schöne Mendoza hinter uns und fuhren auf schnurgeraden Strassen durch flache, ausgetrocknete Landschaft am Rande der Anden entlang bis zu der kleinen Ortschaft Valle Fertil, auf deren Strassen mehr Pferde als Menschen unterwegs waren. Von hier aus besuchten wir dieses tote kahle Tal, das sich Valle de la Luna nennt. Die Stille, die Trockenheit, die Hitze, sowie die bizarren Felsformationen – es war echt beeindruckend!
Schon am naechsten Tag folgten wir weiter dem Weg nach Norden, auf dem wir duch die Provinzen La Rioja, Catamarca und Tucumán bis nach Salta kamen. Die Landschaft wurde im Laufe der Fahrt vor allem grüner, was wirklich mal wieder gut tat. Am Terminal wurden wir von Hostelmitarbeitern überfallen, die uns alle Flyer in die Hand drückten und dann gleichzeitig anfingen von ihren Hostels zu schwärmen und zu erzählen, was sie anzubieten haben. Wir hörten uns alles an, nahmen die Flyer mit und suchten uns im Weitergehn ein Schönes aus und hatten es damit dann auch echt gut getroffen. Salta ist wirklich eine wunderschöne Stadt, es gibt super Empanadas hier, viele Gebäude aus der Kolonialzeit und tolle Natur in der Umgebung. Von hier aus mieteten wir uns für 2 Tage ein Auto und fuhren durch die weiten, hohen und einfach genialen Berge der Anden. Ich muss zugeben, es war erst einmal wieder sehr seltsam nach so langer Zeit Auto zu fahren, aber nach kurzem Ausprobieren wo Kupplung, Gas und Bremse ist, kam ich schnell wieder rein und es hat echt Spass gemacht. Viele, viele Serpentinen, schöne Täler und imposante Felsenlandschaften später, als es schon dunkel wurde, entschieden wir uns dazu, in einem der Bergdörfer eine Unterkunft zu suchen. Am nächsten Tag ging’s dann gleich morgens wieder weiter. Erst als wir nach kilometerlanger Schotterpiste wieder auf eine geteerte Strasse kamen bemerkten wir, dass einer unserer Reifen geplatzt war – keiner wusste seit wann… Es hiess also Reifen wechseln und vorsichtig weiterfahren, wir hatten kein zweites Ersatzrad und die anderen Reifen sahen nicht gerade sehr gesund aus. Aber wir kamen wieder heil zurück zu unserem Hostel in Salta, wo ein tolles Asado auf uns wartete. Asado ist zwar immer toll, aber dieses war besonders gut!!! (Asado = Gegrilltes – im Normalfall alles, was das Rind hergibt…)
Unser nächstes Ziel war Jujuy, die nördlichste Provinz Argentiniens. Hier verbrachten wir einige Tage in den schönen Dörfern der “Quebrada von Humahuaca”. Wir genossen die Ruhe, die tolle Landschaft, assen Lamafleisch und stellten Artesanía-Läden auf den Kopf (artesanía = Kunstgewerbe). Ich will noch erwähnen, dass ich hier das erste Mal das Gefühl hatte, als grosser blonder europäischer Tourist so richtig aufzufallen. Die Menschen hier waren von wesentlich kleinerem Wuchs, hatten dunklere Hautfarbe und ganz andere Gesichtszüge.
Von dem Ort Purmamarca aus ging es dann weiter über den “Paso de Jama” nach San Pedro de Atacama im Norden Chiles. Die Grenze liegt auf ca. 4300 m Höhe. Hier, an dem einsamen argentinischen Grenzposten, mussten wir aussteigen, um den Ausreisestempel zu bekommen. Bei mir war das nicht ganz so einfach, da ich in meinem Vorläufigen Reisepass keinen Einreisestempel hatte - aber für 50 Pesos hab ich ihn dann doch noch bekommen. Für die meisten anderen Reisenden lag das Problem nicht am Stempel, dafür aber an der sehr dünnen Luft auf dieser Höhe, so dass nach dem Aussteigen sogar ein paar in Ohnmacht fielen. Obwohl ich durch die letzten Tage schon an dünne Luft gewohnt war hatte auch ich das Gefühl eine sportliche Hochleistung vollbracht zu haben. Als alle ihre Stempel hatten gings dann mit dem Bus weiter. Wir fuhren über den Pass auf ca. 5000 m und danach gings abwärts, bis zu unserem auf ca. 2000 m gelegenen Ziel. Vor allem meine halbvolle Wasserflasche bekam den Höhenunterschied zu spüren, die war nämlich total zusammengedrückt.
San Pedro de Atacama ist sehr klein und voller Touristen. Auf der Suche nach einem Hostel stiessen wir uns erst einmal an andere Zahlen gewöhnen. Eine Nacht kostete uns 6000 Chilenische Pesos. Allerdings ist der Kurs € - $CH 1:720, sodas es doch nicht so schlimm war. Bevor wir von hier weiterfuhren, machten wir 2 Ausflüge. Einen, früh morgens, zu den “Geysers del Tatio” auf 4300 m Höhe. Der aktive Boden hier war echt beeindruckend. Aus vielen Kratern sprudelte wahnsinnig heisses Wasser, das sogleich als Wasserdampf nach oben stieg. Wir frühstückten dort auch und tranken heisse Schokolade, die in einem der kleinen Geysire sofort aufgewärmt war. Nach dem Sonnenaufgang wurde es dann schnell wärmer und auch Bene, der nur mit kurzer Hose die -7ºC hatte aushalten müssen, konnte wieder aufatmen.
Der andere Ausflug ging ins Herz der Atacamawüste. Diese gilt als trockenste Wüste der Welt. Falls es hier irgendwann einmal regnen sollte, würde das Wasser (so unser Reiseführer) sofort wieder verdunsten. Dazu kommt der extreme salzhaltige Boden, sodas ich tatsächlich kein einziges Zeichen von Leben gesehen habe – abgesehen von den ganzen Touristen ;-) Wir blieben hier noch bis zum schönen Sonnenuntergang, nach dem es schnell abkühlte.
Am nächsten Tag fuhren wir durch weite, ebene Steinwüsten weiter bis nach Iquique. Eine Stadt an der schönen Pazifikküste mit tollem Strand, den wir sogleich in Besitz nahmen. Wir waren also mal wieder auf Höhe des Meeresspiegels angekommen.
Das Wasser war leider relativ kalt, aber mit einem Sprint in die Wellen, konnten wir uns dann doch überwinden. Alex nutzte die Möglichkeit hier Paragleiten zu gehen, während Bene und ich weiterhin den Strand hüteten. Wir machten noch einen Surfkurs hier und dann gings weiter nach Arica, die nördlichste Stadt Chiles an der Pazifikküste. Hier hatten wir auch nochmal 2 ruhige Tage bevor es nach Bolivien ging. Wir kamen also von der chilenischen Küste relativ schnell ins bolivianische Hochland. Hier im Bus während der Fahrt erzählte mir ein Bolivianer von der starken Inflation der bolivianischen Währung (der Boliviano), die er auf 60-70% schätzte, von dem Konflikt zwischen dem Hoch- und dem Tiefland, von der indigenen Regierung, die vom Hochland beliebt ist, da sie vom Hochland stammt und aus demselben Grund vom Tiefland gehasst wird und schliesslich, dass der Norden Chiles ja eigentlich mal zu Peru und Bolivien gehört habe, das aber schon lange her sei und er nicht verstehe, dass die Menschen deshalb immer noch schreien… Mitlerweile fiel mir auf, dass es hier wieder wesentlich grüner war, als in Chile. Interessant waren die Trachten der Bolivianer, vor allem die der Frauen, die immer mit Hut, zwei lang geflochtenen Zöpfen, mit Bommeln an den Enden, buntem Tragetuch und Rock herumliefen. Schon von Weitem sah ich den 6400m Hohen Berg “Illimani”, meist “Nevado” (der Verschneite) genannt, der die Kulisse von unserem Ziel bildet, wo wir 9 Stunden nach unserer Abfahrt ankamen. La Paz, eine Stadt mit ca. 1 Million Einwohner liegt auf 3600 m Höhe, in einem grossen Tal, an dessen Rand sich die Häuser noch weit hinaufziehen. Typisch sind die vielen Marktrufer, die unzähligen hupenden Kleinbusse und Taxis, die vielen nicht verputzten Häuser und die engen Gassen, die oft von einem Chaos aus Stromleitungen überschattet warden. Hier merkten wir wieder deutlich die Höhe, da man durch die dünne Luft schon nach nur wenigen Hóhenmetern total erschöpft war.
Uns blieben jetzt nur noch 6 Tage, da ich am 3. Mai wieder im Projekt weiterarbeiten sollte. Wir entschieden uns trotzdem noch dafúr, etwas weiter nach Norden, nach Copacabana am Titicacasee zu fahren. Erst als unser Gepack schon auf dem Dach verstaut war, mussten wir feststellen, dass der kleine Bus, welcher uns dorthin bringen sollte überbucht war und ganz zufällig gerade wir die waren, die nicht mehr hineinpassten. Also holten wir das Gepäck wieder herunter und nahmen den Nächsten, der eine Stunde später abfuhr. Die Tickets wurden uns sogar gewechselt!
Dort angekommen blieben wir für die Nacht in einem Zimmer, das wir billig angeboten bekamen und machten am folgenden Tag eine Tour zur “Isla del sol” (Sonneninsel), die der nördlichste Punkt unserer Reise war. Auf dieser Insel gibt es erst seit dem Jahr 2000 Strom und Internet. Die ca. 3000 Bewohner sprechen unter sich ihre eigene Sprache und feiern jedes Jahr ein Fest zu Ehren der Pachamama (Mutter Erde) der immer ein Lama geopfert wird. Einer dieser Inselbewohner bot uns für ein paar Bolivianos eine Führung an und zeigte uns den Süden der Insel.
Mittags fuhren wir dann wieder zurück aufs Festland – auf demselben wackeligen, kleinen Boot, dessen Motor offensichtlich mit dem Mangel an Sauerstoff in der dünnen Luft zu kämpfen hatte. An dieser Stelle fing im Prinzip unser Rückweg an. Wir fuhren also nach La Paz und von dort über Nacht nach Uyuni. Hier verbrachten wir den Tag auf dem mächtig grossen “Salar de Uyuni” (mit 12.000km2 der grösste Salzsee der Welt). Da wir sehr früh ankamen, bekamen wir die eisige Kälte der Nacht zu spüren und später dann auch die gleissende Helligkeit des Tages zu sehen… Es war wieder einmal wirklich beeindruckend – obwohl man sich ja berechtigt fragen könnte: Warum? – denn eigentlich gibt es auf so einem Salzsee ja nichts zu sehen – faszinierend war’s aber trotzdem und wir hatten viel Spass beim Fotos machen.
Am Abend setzten wir uns dann in einen Zug und fuhren über Nacht bis zu dem Ort Villazón, der direkt an der Grenze zu Argentinien liegt, wo das gewohnte argentinische Spanisch, Panaderías (Beckereien mit MediaLunas – kleinen, süssen, superleckeren Croissants), bequeme Busse und vieles mehr, das ich schon anfing zu vermissen auf mich wartete. Unser nächstes Ziel auf dem Weg Richtung “Río De La Plata” war San Salvador de Jujuy, hier stiegen wir um und fuhren durch die folgende Nacht nach Córdoba. Hier gönnten wir uns nach 3 Nächten auf Rädern endlich mal wieder den Luxus einer echten Dusche und eines richtigen Bettes in einem Hostel. Wir stärkten uns hier noch in einem gigantischen Tenedor-Libre-Restaurant (bei uns glaub ich als All-You-Can-Eat bekannt) und dann trennten sich unsere Wege. Alex fuhr direkt nach Uruguay, Bene und ich nach Buenos Aires, wo wir dann am 3. Mai um 2 Uhr morgens ankamen.
Endlich wieder daheim! Einen festen Wohnort kann man nach fast 4 Wochen unterwegs schon so richtig vermissen, obwohl mir schnell klar wurde, dass es von jetzt an nur noch gute 3 Monate waren, die ich in Argentinien habe…
Es war eine geniale Reise und ich hoffe, ich konnte euch mit diesem wirklich langen Bericht und den dazugehörigen Bildern unter “Meine Reise” etwas daran teilhaben lassen. Über die Ereignisse hier in Buenos Aires will ich im nächsten Bericht schreiben. Bis dahin schicke ich euch mal wieder viele Grüsse aus dem herbstlichen Argentinien.
Passt auf euch auf und lasst euch vor allem keine Rucksäcke klauen!!! ;-)
Euer Julian
P.S.: Jetzt hätte ich es fast vergessen: Meerschweinchen haben wir leider keine gefunden… | |
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Buenos Aires, den 26.05.2008 |
| Hola Amigos,
ich habs doch tatsächlich mal geschafft, längst überfällige Bilder hochzuladen. Zumindest mal eine Auswahl der Bilder von meiner Reise durch Argentinien, Chile und Bolivien. Es war gar nicht leicht, sich auf die wenigen Bilder zu begrenzen, aber irgendwie ging es dann eben doch...
Ein neuer Bericht ist gerade in Arbeit, ich hoffe, dass sich das nicht zu lange hinauszögert... ;-)
Viel Spass beim Ansehen der Bilder
Euer Julian | |
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